Zeitplanung

Foto: Jeanne Surmont
Foto: Jeanne Surmont

Eines Tages wurde ein alter Professor der französischen nationalen Schule für Verwaltung gebeten, für eine Gruppe von etwa 75 Chefs großer nordamerikanischer Unternehmen eine Vorlesung über sinnvolle Zeitplanung zu halten.

 

Dieser Kurs war einer von fünf Stationen ihres eintägigen Lehrgangs. Der Professor hatte daher nur eine Stunde Zeit, sein Wissen zu vermitteln.

 

Zuerst betrachtete der Professor in aller Ruhe einen nach dem anderen dieser Elitegruppe (sie waren bereit, alles was der Fachmann ihnen beibringen wollte, gewissenhaft zu notieren). Danach verkündete er: „Wir werden ein kleines Experiment durchführen.“

 

Der Professor zog einen riesigen Glaskrug unter seinem Pult hervor, das ihn von seinen Schülern trennte und stellte ihn vorsichtig für alle sichtbar hin. Dann holte er etwa ein Dutzend Kieselsteine, etwa so groß wie Tennisbälle, hervor und legte sie sorgfältig, einen nach dem anderen, in den großen Krug. Als der Krug bis an den Rand voll war und kein weiterer Kieselstein mehr darin Platz hatte, blickte er langsam auf und fragte seine Schüler: „Ist der Krug voll?“

 

Und alle antworteten „Ja.“ Er wartete ein paar Sekunden ab und fragte seine Schüler: „Wirklich?“

 

Dann verschwand er erneut unter dem Tisch und holte einen mit Kies gefüllten Becher hervor. Sorgfältig verteilte er den Kies über die großen. Kieselsteine und rührte dann leicht den Topf um. Der Kies verteilte sich zwischen den großen Kieselsteinen bis auf den Boden des Krugs. Der Professor blickte erneut auf und fragte sein Publikum: „Ist dieser Krug voll?“ 

 

Dieses Mal begannen seine schlauen Schüler, seine Darbietung zu verstehen. Einer von ihnen antwortete: „Wahrscheinlich nicht!“

 

„Gut!“ antwortete der Professor.

 

Er verschwand wieder unter seinem Pult und diesmal holte er einen Eimer Sand hervor. Vorsichtig kippte er den Sand in den Krug. Der Sand füllte die Räume zwischen den großen Kieselsteinen und dem Kies auf. Wieder fragte er: „Ist dieses Gefäß voll?“

 

Dieses Mal antworteten seine schlauen Schüler ohne zu zögern im Chor: „Nein!“

 

„Gut!“ antwortete der Professor.

 

Und als hätten seine wunderbaren Schüler nur darauf gewartet, nahm er die Wasserkanne, die unter seinem Pult stand, und füllte den Krug bis an den Rand. Dann blickte er langsam auf und fragte seine Schüler: „Was können wir Wichtiges aus diesem Experiment lernen?“

 

Der Kühnste unter seinen Schülern – nicht dumm – dachte an das Thema der Vorlesung und antwortete: „Daraus lernen wir, daß, selbst wenn wir denken, daß unser Zeitplan schon bis an den Rand voll ist, wir, wenn wir es wirklich wollen, immer noch einen Termin oder andere Dinge, die zu erledigen sind, einschieben können.“

 

„Nein“, antwortete der Professor, „darum geht es nicht, was wir wirklich aus diesem Experiment lernen können ist folgendes:

 

Wenn man die großen Kieselsteine nicht als erstes in den Krug legt, werden sie später niemals alle hineinpassen.“

 

Es folgte ein Moment des Schweigens. Jedem wurde bewußt, wie sehr der Professor recht hatte. Dann fragte er: „Was sind in eurem Leben die großen Kieselsteine? Eure Gesundheit? Eure Familie? Eure Freunde? Die Realisierung eurer Träume? Das zu tun, was euch Spaß macht? Dazu zu lernen? Eine Sache zu verteidigen? Entspannung? Sich Zeit zu nehmen …? Glück? Gemeinschaft? Oder etwas ganz anderes?

 

Was wirklich zählt, sind die großen Kieselsteine in eurem Leben. Wenn ihr die großen Kieselsteine nicht an die erste Stelle setzt, lauft ihr Gefahr, es nicht zu meistern… euer Leben.

Wenn ihr zuallererst auf Kleinigkeiten achtet (den Kies, den Sand), verbringt ihr euer Leben mit Kleinigkeiten und habt nicht mehr genug Zeit für die wichtigen Dinge im Leben.

Deshalb vergeßt nicht, euch selbst die Frage zu stellen: ‚Was sind die großen Kieselsteine in meinem Leben?‘ Dann legt diese zuerst in euren Krug des Lebens.“

 

Mit einem freundlichen Wink verabschiedete sich der alte Professor und verließ langsam den Saal.

 

- Verfasser unbekannt