Die Rückkehr

Herzensarbeit, Achtsamkeit
heART by Jeanne Surmont
Es war einmal eine erwachsene Frau, die sehr unglücklich war. Sie hatte das Gefühl etwas Wichtiges verloren zu haben, nicht mehr zu wissen, wo sie eigentlich hin möchte und vieles in ihrem Leben war ihr gleichgültig geworden.

 

Sie fühlte sich so ohnmächtig und hilflos darüber, dass sie sich eines Tages, einfach in die Ecke ihres Zimmers setzte und weinte. Sie wollte einfach gar nichts mehr tun, und am liebsten hätte sie sich in Luft aufgelöst.

 

Plötzlich hörte sie eine Stimme die sie rief. Ganz erschrocken blickte sie auf, doch es war niemand da. „Ich bin hier, in dir“, sagte die Stimme. „Warum bist du so traurig?“

 

„Ich weiss nicht mehr weiter. Wer bist du?“, sagte die Frau, die nun das Schluchzen aufgehört hatte. „Ich bin deine Seele“, antwortete die Stimme, „ich bin hier um dir zu helfen, doch brauche ich dazu wiederum deine Hilfe.“

 

„Sieh her“, begann die Seele zu erklären, „du möchtest wissen wie es weitergeht, und ich weiss es. Es ist nur so, dass ich es dir nur sagen kann, wenn du erlaubst, dass wir zusammen arbeiten.“ – „Tun wir das nicht?“, fragte die Frau erstaunt. „Nun, nicht ganz. Irgendwann in deinem Leben, hast du angefangen dir zu wünschen, dass du alles unter Kontrolle hast, damit du die Erlebnisse, die dich verletzt haben, nicht mehr erleben musst. Und irgendwann zu diesem Zeitpunkt hast du mich weggeschickt. Je mehr du also alles unter Kontrolle haben wolltest, desto mehr musste ich mich zurückziehen. Denn ich mache manchmal verrückte Dinge oder bringe dich an Orte, die dir erstmal gar nicht gefallen, wo es aber etwas tolles zu entdecken gibt. Weil du das aber nicht mehr wolltest, und ich dich so sehr liebe, wie du es dir gar nicht vorstellen kannst, hab ich mich zurückgehalten.“

 

„Wirklich? Ich habe das gar nicht gemerkt.“, sagte die Frau. Die Seele antwortete: „Ja, da hattest du es nicht bemerkt, aber nun spürst du, dass dir etwas fehlt.“ – „Das stimmt.“

 

„Was kann ich also tun?“, fragte die Frau ihre Seele und diese antwortete: „Lass mich ans Steuerrad. Lass es zu, dass ich lenke. Hab keine Angst, ich weiss wohin es gehen soll. Lass den Wunsch, alles unter Kontrolle zu haben wieder los und erkenne, dass es ein Irrtum war, dir dies zu wünschen.“

 

„Ich bin für dich da“, fuhr sie fort, „und pass auf dich auf. Wenn du es mir erlaubst, dich zu leiten, brauchst du vor nichts mehr Angst zu haben, vor allem nicht davor, verletzt zu werden, denn ich weiss, wie man heilt. Nichts wird dir wirklich etwas anhaben können, wenn du mir vertraust. Ich werde dir die Geheimnisse des Lebens zeigen und zeigen, wie du Glück und Liebe findest.“

 

Ein bisher ungekanntes, wohliges Kribbeln durchfuhr den Körper der Frau, deren Tränen nun getrocknet waren. „Ja“, sagte sie nun zu ihrer Seele, „ich möchte das. Ich erlaube dir mich zu leiten und zu führen.“ Daraufhin wurde das Kribbeln immer stärker und so belebend, dass sich die Frau nun nicht mehr schwach und hilflos fühlte, sondern stark und kraftvoll. „Spürst du? Da bin ich. Zusammen sind wir stark. Mit mir bist du nicht mehr klein, sondern groß. Zusammen können wir alles schaffen!“

 

Da schossen der Frau erneut Tränen in die Augen, doch es waren keine Tränen der Trauer, sondern Tränen der Freude. Sie fing an ganz laut zu lachen und ganz vorsichtig zu tänzeln, bis sie schließlich durch den ganzen Raum tanzte und dabei lachte und Freudentränen weinte. Und die Rückkehr ihrer Seele feierte.

 
- Verfasser unbekannt -